Viel Müll aus dem Leinakanal gefischt

12. November 2017

Belebung der traditionellen Leinafege in Gotha mit einer Gemeinschaftsaktion

von Wolfgang Möller, Bilder: Uwe Heustock

Jürgen Becker (1.v.r.) und Madlen Schellenberg (3.v.r.) mit den kleinen Naturschützern vor dem Einsatz

Vor Jahrhunderten befahl der Gothaer Herzog dem Wasservogt zwei Mal im Jahr, er möge mit seinen Wasserknechten eine Leinafege durchführen, um somit den lebenswichtigen Graben von Schlamm und Schutt zu befreien. In der DDR war es dann die Wasserwirtschaftsdirektion mit ihren Oberflussmeistereien, die diese Leistung übernahm. Nach der Wende trat die Untere Wasserbehörde des Landratsamtes gemäß Wassergesetz auf den Plan. Sie führt in regelmäßigen Abständen Gewässerschauen durch. Die Anliegergemeinden werden über die festgestellten Schäden und Mängel informiert und angewiesen, diese abzustellen. Sofern sie Personal und Geld haben, werden die Auflagen erfüllt.

Einige Gemeinden, wie zum Beispiel Petriroda, führen diese Arbeiten mit Unterstützung der Feuerwehr und der Einwohner schon seit vielen Jahren freiwillig an ihrem Flößgrabenabschnitt durch.

Im Oktober 2011 wurde zur Freude aller Natur-, Heimat- und Wasserfreunde der Gewässerunterhaltungsverband (GUV) Flößgraben/Leina gegründet, für Mittelthüringer Verhältnisse eine absolute Novität. Der Verbandsvorsitzende Uwe Oßwald ist als reputierter Bürgermeister der Gemeinde Leinatal ein engagierter Aktivposten. Zusammen mit Janette Richter als Betriebsführerin leisten sie bei den ihnen anvertrauten 280 km fließende Welle der Gewässer II. Ordnung eine vorbildliche Arbeit. Dazu gehört auch das Leinakanalsystem mit seinen 30 km Fließlänge.

Zahlreiche Sanierungs- und Unterhaltungsmaßnahmen konnten bisher bewältigt werden, z.B. die Sanierung des Zuflusses zum Aquädukt, Böschungs- und Sohlbefestigungen, die Errichtung einer Sohlabgleiche am Abschlag Wilde Leina/Kleiner Leinakanal in Schönau vor dem Walde, die Verdichtung des Untergrundes mittels Injektionen in Karstgebieten, Abdichtungsarbeiten im Böschungsbereich und vieles mehr.

Um so erfreulicher ist es, dass sich Enthusiasten gefunden haben, die bei einer Säuberungsaktion mit Hand anlegen wollten. So hat Madlen Schellenberg, verantwortlich für die NAJU (Naturschutzjugend) Gotha im NABU (Naturschutzbund Deutschland) am Sonntag, dem 12. November 2017 einen Arbeits-Einsatz organisiert. Drei Erwachsene und vier Kinder scheuten keine Mühe, sich dieser Aufgabe zu stellen. Der GUV hatte Werkzeuge und Müllsäcke bereitgestellt und für deren Abtransport gesorgt. Nachdem der Vorsitzende des Freundeskreises Leinakanal (FKL) Jürgen Becker einige historische und bautechnische Informationen zum Fließgewässersystem gegeben hatte, ging es ans Werk.

In kurzer Zeit wurden zwischen Mairichstraße und Brauerei zwölf Säcke mit Müll, Ölkanister, Dachpappe, Gummireifen, Gartenabfälle usw. gesammelt. Die Erwachsenen und besonders die Kinder haben sich die Frage gestellt, warum gewissenlose Bürger so mit ihrer Umwelt umgehen. Offensichtlich werden die Frevler dazu eingeladen, ihren Dreck hier zu entsorgen, da Parkplätze am ehemaligen Stahlmöbelwerk vorhanden sind. Gibt es doch Werkstoffhöfe, in denen man seinen Abfall kostenlos bzw. für einen geringen Obolus abgeben kann. Trotz des Erlebten waren sich die Beteiligten darüber einig, solche Aktionen zu wiederholen. Für diese Aktivität des NABU/NAJU Gotha bedanken sich der GUV und der FKL ganz herzlich.