Weltwassertag 2017

22. März 2017

Großer Bahnhof am Welttag des Wassers im Landkreis Gotha

Von Wolfgang Möller

Gotha/Tambach-Dietharz. Am 22. März 2017 war Weltwassertag. Dieser, seit 1993 von der UN-Generalversammlung beschlossene Gedenktag des Wassers, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Wastewater“ (Abwasser). Der Landkreis Gotha war erneut Austragungsort für Veranstaltungen des Vereins zur Förderung des Archivs zur Geschichte der deutschen Wasserwirtschaft e.V. (FöV AGWA) und der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW): Donnerstag (23.3.) – Führung im Perthes-Forum Gotha, Freitag (24.3.) – Tambach-Dietharzer wasserhistorischer Vortrag und Samstag (25.3.) – Besichtigung der Talsperre Schmalwasser zum Tag der offenen Tür. An allen drei Tagen konnten zahlreiche Fachleute und Interessierte begrüßt werden.

Der erste Tag war dem Perthes-Forum gewidmet. Die Sammlung Perthes wurde vom Freistaat Thüringen 2003 mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder erworben und in die Forschungsbibliothek Gotha integriert. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sammlung Petra Weigel begann ihre Führung im Ahnensaal des 1785 gegründeten Gothaer Verlags Justus Perthes. Hier wies sie an Hand des berühmten Stieler-Handatlasses die Besonderheit der Einrichtung nach, nämlich die einmalige Verbindung von Kartensammlung, Verlagsbibliothek und Archiv mit dem Prozess der Herstellung geografisch-kartografischer Erzeugnisse. Zufällig schlug Weigel die Karte von Afrika mit den weißen Flecken aus dem Jahre 1817 auf und verglich sie mit einer Darstellung 100 Jahre später.

Petra Weigel unterrichtet die Weltwassertag-Gäste über die Geschichte der Kartenwerke im Justus Perthes Verlag.
Foto: Wolfgang Möller

Für die Wasserfreunde war das der Denkanstoß zu 2017: „Bereits heute haben 1,3 Milliarden Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser, vor allem in Afrika, Südasien und Lateinamerika. Bis zum Jahr 2080 könnte diese Zahl auf über drei Milliarden ansteigen.“ (http://www.tag-des-wassers.com/tag-des-wassers---world-water-day/index.html)

Beim Rundgang durch die Räume des Landesarchivs Thüringen, Staatsarchiv Gotha umriss sein Leiter Regierungsdirektor Lutz Schilling Struktur, Aufgaben und Perspektive der 2015 ins Perthes-Forum verlegten Einrichtung. „Bei unserem gesetzlichen Auftrag zur Aufbewahrung und zum Auffinden von Dokumenten werden nur etwa drei bis fünf Prozent des anfallenden Materials berücksichtigt. ... Wir sammeln nicht und wir kaufen auch nichts.“ Und an die Wasserexperten gerichtet appellierte er: „Ich halte es nur vor. Sie erwecken es zum Leben.“ Auch hier gab es für die Teilnehmer viele inhaltliche Verbindungen, zum Beispiel zu den historischen Wasserbauakten, die in Gotha lagern. Mit Bezug auf das Wasserarchiv Tambach-Dietharz machte Schilling deutlich, dass diese besondere Einrichtung ihre Berechtigung hat. Es hätte keinen Sinn gemacht, die dort lagernden gewässerkundlichen Unterlagen auf die sechs Thüringer Staatsarchive aufzuteilen und die Thüringer Flüsse auf diese Art auseinander zu reißen.

"Ulrich Fetting (6.v.l.) zeigt den Besuchern das Innere des Wasserentnahmeturmes an der Schmalwassertalsperre. Foto: Wolfgang Möller"

Das ehemalige Bauleitungsgebäude am Fuße der 1993 in Betrieb gegangenen Schmalwasser-Talsperre wurde mit dem Einzug des Kinder-Hospiz’ in die Verwaltungsgebäude der Thüringer Talsperrenverwaltung zum Thüringer Talsperren- und gewässerkundlichen Archiv umgebaut. Seit 2008 hat hier auch die Geschichte der deutschen Wasserwirtschaft eine Heimstatt gefunden. Eine Vereinbarung zwischen der TFW und der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft (DWhG) zur Übernahme des gesamten Bestandes an Literatur und Akten der DWhG und aus Nachlassen von Privatpersonen in das Archiv, gab den Anstoß dazu, den Förderverein AGWA ins Leben zu rufen. Nachdem die zwischengelagerten Altunterlagen in das neue Archiv aufgenommen worden sind, haben die jetzigen Nutzer optimale Bedingungen zur Sichtung und Auswertung von wasserhistorischen Dokumenten aus ganz Deutschland. Zur Vorstandssitzung am Freitagnachmittag wurde bekannt gegeben, dass bereits über 8000 gedruckte Medien bearbeitet und zum großen Teil nutzbar sind.

Die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) öffnet ein Mal jährlich zwei ihrer Anlagen für Besucher. So war die Besichtigung der Talsperre Schmalwasser im Rahmen des Tages der offenen Tür am Samstag ein weiterer Höhepunkt zum Weltwassertag 2017. Die AGWA-Teilnehmer und zahlreiche andere Gäste nahmen die Gelegenheit wahr, hinter die Kulissen des Sperrwerkes am Schmalwasser zu schauen. Dieses hat ein Stauvolumen von 21 Millionen m³ und ist mit 80,7 m über der Gründungssohle gemessen der höchste Steinschüttdamm Deutschlands. Die Bedeutung und Perspektive des Bauwerkes kann in drei Schwerpunkten zusammengefasst werden: 1. Ursprünglich zur Trinkwasserbereitstellung und zum Hochwasserschutz gebaut; 2. Aufbereitung von Rohwasser zu Trinkwasser zugunsten der Ohra-Talsperre im Jahre 2005 eingestellt, aber zu diesem Zweck noch vorgehalten; 3. Zur regenerativen Energieerzeugung geplant (umstrittenes Oberbecken am Rennsteig für ein Pumpspeicherwerk). Die Mitarbeiter der TFW Ulrich Fetting, Dieter Linz, Jochen Mehl, Hajo Scharf und Christoph Strube führten mehr als 700 Personen in das Innere der Staumauer. Sandra Kuhn und Roland Mauden waren für die Organisation und für den hydro-biologischen Info-Stand verantwortlich.

Protagonisten des 15. Tambach-Dietharzer wasserhistorischen Vortrages: Wolfram Such (DWhG), Florian Tanz (Uni Trier), Hans-Georg Spanknebel (FöV AGWA) und Marco Schütz (Bürgermeister von Tambach-Dietharz). Foto: Wolfgang Möller

Wissenschaftlicher Schwerpunkt der drei (Weltwasser-) Tage war jedoch am Freitagabend die 15. Veranstaltung der Tambach-Dietharzer wasserhistorischen Vorträge. Florian Tanz M. A., Doktorant an der Universität Trier, referierte zu „Thermen, Pumpen und Kanäle – die Wasserver- und Entsorgung im römischen Trier“. Der gebürtige Tambach-Dietharzer hat klassische Archäologie und Ägyptologie studiert und promoviert derzeit zu diesem Thema. Trier, die älteste Stadt Deutschlands, war eine der Kaiserresidenzen in der Spätantike sowie die größte Stadt des Römischen Imperiums nördlich der Alpen. Auch besaß Trier mit den Barbarathermen im 2. Jahrhundert n.Chr. die zweitgrößte Thermanlage im Reich. Tanz präsentierte im fast vollbesetzten Bürgersaal seine Forschungen über die römische Wasserkultur mit all ihren technischen Einrichtungen (Aquädukte, Bäder, Brunnen, Drucksysteme, Abwasserkanäle ...). „Die Römer haben das Wasser inszeniert und zum gesellschaftlichen Mittelpunkt erhoben“ resümierte der Referent. DWhG-Chef Wolfram Such warb in der Diskussion für den Besuch der zahlreichen wasserhistorischen Sehenswürdigkeiten im Rheinland.