Das Aquädukt

Errichtung der Brücke

Das Aquädukt, 1994
Querschnitt, G. Rennau, 2006

Das Aquädukt bei Leina/Sundhausen wurde während des Baus der Bahnstrecke Gotha-Eisenach 1845/47 errichtet. Mit Genehmigung des Gesamtprojektes der Thüringer Eisenbahn von Apolda nach Gerstungen durch das Preußische Ministerium im Oktober 1844 waren auch die Weichen für die Errichtung einer Kanalbrücke zur Überführung des Leinakanals am Kilometer 141,923 gestellt. Die genaue Position ergab sich nach der durchgehenden Vermessung für die Linienführung Halle-Guntershausen. Dies ist die höchste Stelle der Bahn auf der gesamten Strecke. Unmittelbar nachdem der Einschnitt in den Memelberg von Richtung Gotha hergestellt war, konnte im Frühjahr 1847 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der vorherige Verlauf des Kanalbettes befand sich ca. 200 m spitzwinklig zur heutigen Querung in Richtung Fröttstädt.

Es entstand eine dreiteilige Gewölbebrücke, auf der eine Betonwanne für das Wasser des Kanals aufgebracht wurde. Als Baustoffe wurden in der Hauptsache Kalksteine aus einem Bruch bei Teutleben, für filigrane Bauteile Seebergsandstein, verarbeitet. Kurioserweise befindet sich die Oberkante des Bauwerkes auf einer Höhe von 333,000 m über NN, ob das beabsichtigt war, oder sich zufällig so ergeben hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Ursprünglich für eingleisige Betriebsführung ausgelegt, wurde es unter dem Mittelbogen, dessen lichte Durchfahrtsöffnung 7,54 m betrug, bald zu eng. Im Zuge des Ausbaues der ehemaligen Blockstelle "Leinacanal" zu einem Kreuzungs- und Überholungsbahnhof im Jahre 1912 wurden die mittleren Stützpfeiler ausgespart, um Platz zu gewinnen.

Instandsetzungen

Weitere Arbeiten erfolgten an der Überführung im Zuge der Erweiterung des Bahnhofs Leinakanal in den Jahren 1934/36. Zu dieser Zeit wurden auch die wasserseitigen Bleidichtungen, die Ziegelvorblendung und die Rinnenauskleidung instandgesetzt - wahrscheinlich die letzte grundhafte Reparatur an der Bogenbrücke. Damals wurde auch der nördliche Bogen geschlossen, um Raum für ein Materialmagazin zu schaffen. Die Bahn-meisterei Gotha II hatte die Gleisanlagen von der Brücke am Erbprinzen in Sundhausen bis kurz vor dem Bahnhof Fröttstädt einschließlich der vier Gleise am Bahnhof Leinakanal zu unterhalten. Aufgrund der vielen Mitarbeiter aus der Gemeinde Leina wurde diese Bahnmeisterei von den Gothaern stets als "Bm Lin" bezeichnet.

Sanierung: Einbau einer neuen Edelstahlwanne, 2004

Die Wasser­wirtschafts­direktion Eisenach übernimmt

Aquädukt, 2013

Die Pflichten der Deutschen Reichsbahn am Aquädukt wurden im Jahre 1955 mit der staatlich verfügten Zuständigkeitsbereinigung bei Kreuzungen von Objekten verschiedener Versorgungsträger beendet. Am 22. Februar 1955 wurde es zum Zeitwert von 16,72 Mio. Mark an die Wasserwirtschaftsdirektion Eisenach übergeben. Mit Einführung eines größeren Lichtraumprofiles im Rahmen von Verpflichtungen der Deutschen Reichsbahn gegenüber internationalen Eisenbahnabkommen wurde die Durchfahrtsöffnung in den 70er Jahren abermals erweitert. Seinerzeit wurde auch geprüft, ob der nördliche Bogen geöffnet und somit je eine separate Durchfahrtsöffnung für die beiden Betriebsgleise hergestellt werden könne. Ob der Status des Aquädukts als technisches Denkmal (seit 1978) oder fehlende Baukapazität dies verhinderte, ist nie bekannt geworden.

Das Dükerbauwerk für die Bahntrasse

1995 wurde von der Deutschen Reichsbahn/Deutschen Bundesbahn der große Bogen der elektrifizierten IC-Trasse Neudietendorf-Eisenach fertiggestellt. Sie führt unmittelbar nördlich an der alten Strecke vorbei. Für die Kreuzung des Leinakanals wurde ein ca. 30 m langes Dükerbauwerk errichtet. Das Wasser gelangt nach dem Prinzip der verbundenen Röhren durch die Unterführung. Der ökologische, technische und vor allem der denkmalpflegerische Aspekt dieser Variante ist bei Naturschützern und Kanalliebhabern sehr umstritten. Mit der letzten Zugfahrt am 3. Dezember 1994 um 16.14 Uhr hat das Bauwerk laut Verkehrswegeplan der BRD seinen Zweck erfüllt. Für den Leinakanal bleibt er jedoch die lebenswichtige Nahtstelle an der Bahnstrecke. Es bleibt zu hoffen, dass dem Aquädukt von Sundhausen/Leina als bautechnische Rarität noch viele Jahre beschieden sind.