Wasserscheide Weser-Elbe

von Horst-Dieter Ritz

Das Leinakanal-Systems ist ein mittelalterliches künstliches Fließgewässer, das in seiner Gesamtheit verdient, dass man es auch in der Gegenwart näher betrachtet. Darüber hinaus hat der Abschnitt des Flößgrabens in der Gemarkung Hohenkirchen - Petriroda zwei Merkmale, die besondere Erwähnung verdienen - die Überwindung der Wasserscheide Weser-Elbe und die Nutzung des natürlichen Flussbetts, das der Entwässerung des Kranichmoors dient.

Diese Betrachtung stellt die logische Verbindung zwischen Leinakanal-System, Wasserscheide und Kranichmoor in den Mittelpunkt.

Um dem wachsenden Wasserbedarf Gothas gerecht zu werden, wurde seit 1653 Wasser von der Apfelstädt in Georgenthal abgezweigt. Über Herrenhof, Hohenkirchen und Petriroda gelangt es bis Emleben, wo es mit dem Leinakanal zusammenfließt. Dabei muss es eine Wasserscheide überwinden und das Wasser des Kranichmoors aufnehmen.

Da das Kranichmoor bereits im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnt wurde, kann man davon ausgehen, dass der Flößgraben (Bau 1647-1653) wahrscheinlich das Flussbett der natürlichen (oder künstlichen?) Entwässerung des Moores nutzt und nicht umgekehrt.

Somit liegt der Gedanke nahe, dass für den Verlauf des Flößgrabens weitgehend die natürlichen Gegebenheiten genutzt wurden, um den Arbeitsaufwand so niedrig wie möglich zu halten. Durch die Überwindung der Wasserscheide waren schon genug Schwierigkeiten zu meistern. Es musste eine Linie gefunden werden, auf der das Gefälle ausreicht, um den zu dieser Zeit bereits fast 300 Jahre alten Leinakanal zu erreichen und zu verstärken. So suchte man zwischen Hohenkirchen und Petriroda die Stelle, wo der Erdaushub zur Überwindung der Wasserscheide möglichst gering sein konnte. Ich gehe davon aus, dass man von der Apfelstädt aus einen Punkt auf der Wasserscheidelinie oberhalb des Kranichmoors anstrebte, der nahe der natürlichen Entwässerung des Moores und höher als der Abfluss des Moores lag.

Dieser Gedanke wird gestärkt, wenn man den mehrere Meter tiefen Einschnitt ins Erdreich und das zugleich entstandene Gefälle des Flößgrabens an der Wasserscheide sieht. Hier gleicht der Flößgraben auf einer Strecke von wenigen hundert Metern einem natürlichen Gebirgsbach. Eine ruhigere Fließgeschwindigkeit, wie sie ansonsten typisch ist für den Flößgraben und besonders für den Leinakanal, erreicht der Kanal oberhalb des Zusammenflusses mit dem Wasser des Kranichmoors.

Am Ortseingang von Petriroda, in einem zurzeit verwilderten und morastischen Abschnitt des Flößgrabens wird bereits an der Farbe des Wassers, das hier kurze Zeit nebeneinander fließt, deutlich, wo das Kranichmoor entwässert. Der Blick wird durch das Unterholz gehindert, um von hier aus zu sehen, wo sich das Kranichmoor erstreckt. Es ist aber nur wenige hundert Meter entfernt. Leider ist seine Kennzeichnung als Flächennaturdenkmal sehr dürftig. Aber wer einmal in das Unterholz am Flößgraben in unmittelbarer Ortsnähe von Petriroda eingedrungen ist, steht ziemlich unverhofft vor einem Kraftwerk, das vom Wasser des Flößgrabens angetrieben wird.