Das Kranichmoor bei Petriroda

von Horst-Dieter Ritz

Das Leinakanal-Systems ist ein mittelalterliches künstliches Fließgewässer, das in seiner Gesamtheit verdient, dass man es auch in der Gegenwart näher betrachtet. Darüber hinaus hat der Abschnitt des Flößgrabens in der Gemarkung Hohenkirchen - Petriroda zwei Merkmale, die besondere Erwähnung verdienen - die Überwindung der Wasserscheide Weser-Elbe und die Nutzung des natürlichen Flussbetts, das der Entwässerung des Kranichmoors dient.

Diese Betrachtung stellt die logische Verbindung zwischen Leinakanal-System, Wasserscheide und Kranichmoor in den Mittelpunkt.

Das Kranichmoor ist ein Kleinod am Flößgraben und indirekt Bestandteil des Leinakanal-Systems. Im 12. Jahrhundert wurde das "Cranimur" erstmals erwähnt. Heute stellt es europaweit ein wichtiges Arial im [Arten- und Biotopschutz] dar. Seit der Fertigstellung des Flößgrabens im Jahre 1653 gelangt auch Moorwasser nach Gotha. Das ehemals 40 Hektar große Flachmoor misst heute nur noch drei Hektar und gehört zu den [34 Flächennaturdenkmalen des Landkreises Gotha]. Sein Wasser fließt in Richtung Petriroda und trifft sich am Ortseingang mit dem Flößgraben.

Das Kranichmoor liegt im westlichen Teil der Flur von Petriroda und grenzt an die Gemarkungen von Emleben und Hohenkirchen. Im Mittelalter stritten sich die Klöster Georgenthal und Reinhardsbrunn um dessen Nutzung. In dieser Zeit soll das Moor Brutstätte von Kranichen gewesen sein. Bis in die 1970er Jahre diente es noch als Rastplatz der Zugvögel.

Die alte [Kupferstraße] führte dort vorbei. In Hohenkirchen besaßen die [Fugger] eine Kupferhütte, die das Erz sogar aus Ungarn heranbringen ließen. Die Fuhrleute von nah und fern erzählten auch so manche Geschichte, sodass eine düstere Stimmung um das Moor kreisten. Es war bei der Bevölkerung und besonders bei Reisenden gefürchtet. Einheimische wussten von eingesunkenen Reitern oder von Skeletten kämpfender Hirsche, die als Funde beim [Torfstechen] von dramatischen Ereignissen am Moor berichteten.

Zur 650-Jahrfeier von Petriroda (1999) berichtete die Festschrift, dass hier seit 1829 fast schwefelfreier Torf abgebaut wurde. Die Einheimischen erinnern sich noch gut, dass nach 1945 der Torfabbau wieder auflebte. Sicher war das ein Gebot der Stunde, da überall Heizmaterial knapp war. Und Torf ist bekanntlich der aus Mooren gewonnene Brennstoff, dessen Ursprung vermodernde Pflanzenreste sind. Er wurde zum Heizen, Kochen und Schnapsbrennen dringend gebraucht.

Die Gothaer Firma Haas-Automatikus, heute Pero, baute eine spezielle Torfstechmaschine. Der gestochene Torf wurde gleich vor Ort mit einer Presse vom Wasser befreit und dann zu Trocknen gestapelt. So entstanden zwei ansehnliche Löcher in der sumpfigen Landschaft. Die beiden Wasserflächen sind die einzigen sichtbaren Zeichen dieser Zeit. 1962 wurde dieser zu ende gegangenen Tradition gedacht und die gesamte Fläche des Moors unter Naturschutz gestellt. Die Arbeit des Gothaers Ulrich Viertel hat daran einen wesentlichen Anteil. Ulrich Viertel erhielt 1991 den Umweltpreis des Landkreises Gotha. Die Namen "Petrirodaer Moor" und "Emleber Moor" erinnern heute daran, wie die benachbarten Orte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zum Leben zurück gefunden haben.

Der Naturliebhaber, der heute rund um das Kranichmoor wandert, wird auf einen schnurgeraden, künstlichen Bachlauf aufmerksam. Sein spitzwinkliges Profil weist darauf hin, dass er mit der Melioration in Verbindung steht. Das war ein FDJ-Projekt von 1968 unter dem Namen "Die goldene Sonne über dem Kranichmoor". Das Ziel war damals, die Randgebiete trocken zu legen und für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Es diente auch der langfristigen Entstehung eines [Biotop]s, dessen Erhaltung von uns in Verbindung mit der Erhaltung des Leinakanal-Systems unterstützt wird.

Als Bestandteil des [FFH-Gebiet]s "Hirzberg-Wanningsrod-Kranichmoor" (EU-Nr. 5130-303. TH-Nr. 61) hat das Kranichmoor europaweite Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Diese Bezeichnungen leiten sich von Fauna (Tiere), Flora (Pflanzen) und Habitat (Lebensraum) ab. [Das Habitat, meist als Lebensraum bezeichnet, ist die charakteristische Lebensstätte einer bestimmten Tier- oder Pflanzenart. Der Begriff Habitat wurde ursprünglich nur autökologisch, also auf eine Art bezogen verwendet. Mittlerweile wird er auch in synökologischem Zusammenhang als Synonym für Biotop verwendet, so dass auch die Lebensstätte einer Gemeinschaft mit Habitat bezeichnet wird. Lit: Matthias Schaefer: Wörterbuch der Ökologie, Spektrum Akademischer Verlag, Seite 111, ISBN 978-3-8274-2561-4] Im Vorläufigen Waldbehandlungskonzept der Thüringer Landesforstverwaltung wird es als FFH-Gebiet 61 geführt [http://www.thueringenforst.de/imperia/md/content/folder/waldoekolog/natura2000/vwk_061.pdf]. Das Kranichmoor bei Petriroda gehört zu den Schutzgebieten nach ThürNatG - FND GTH 33. Das in diesem Beitrag betrachtete Gebiet ist ein zum Teil vermoortes Stillgewässer über Schottern der Ur-Apfelstädt am Südwestrand des Thüringer Beckens. Das Kranichmoor ist ein Flachmoor mit eutrophem Stillgewässer und für Einordnung als FFH-Gebiet und Natura 2000-Projektgebiet wertgebend.

Ansonsten erinnern sich die Petrirodaer an das Badevergnügen im Moor und die Aufregung, wenn man den schwankenden Moorboden betrat und dabei bis zu den Knien im Moor steckte. Es soll auch vorgekommen sein, dass man sich selbständig nicht mehr an das feste Ufer bewegen konnte. Gegenseitige Hilfe war notwendig, und trotzem blieb so mancher Schuh für immer im Moor.